Keine Pause

Keine Pause

für mich, es geht ständig weiter. Mit der bildenden Kunst bin ich aber gerade nicht in vorderster Front. Ein Freund bat mich auf einer Veranstaltung  ein paar Worte sagen. Nachdem er sich in dieser Art angeschlichen hatte, folgte der nächste Satz. “Und könntest du auch ein bisschen Musik machen”? Bevor ich groß antworten konnte, hatte er es bereits in den Medien verbreitet. Also musste ich ran. Es war mir total lästig, aber im Nachhinein habe ich mich bei dem Freund bedankt, denn er zwang mich meine Querflöte wieder hervor zu holen und Musik zu machen.

Im Leben gibt es immer wieder Wegpunkte für einem Neuanfang. So ist es momentan. Das Spiel mit der Querflöte, habe sie nun ganz neu entdeckt und bin im Gegensatz zu jüngeren Jahren, in denen ich weniger Zeit hatte, mit viel mehr Energie, wenn nicht gar Alterssturheit bei der Sache.

Mit klassische Musik hatte ich immer ein bisschen meine Probleme, da man sich exakt ans Notenmaterial halten muss. Das ist wider meine Natur. Da mir klassische Musik immer mehr gefällt, insbesondere habe ich Richard Strauss neu entdeckt, bin ich also heftig dabei kompliziertere Notenlinien zu studieren. Also ein bisschen Geduld, liebe Leserinnen und Leser, mit der bildenden Kunst, bin ich auch bald wieder zurück,

Baden-Baden / Frieder-Burda Museum

Baden-Baden / Frieder-Burda Museum

Max Liebermann und seine Zeitgenossen, um die Jahrhundertwende vom Neunzehnten ins Zwanzigste. Die Wucht des deutschen Expressionismus kam gerade in Gang. Die Künstlervereinigungen “Die Brücke” oder “Der Blaue Reiter” finde ich bemerkenswerter, als den französischen Expressionismus. Gewiss , so pauschal darf man nicht urteilen. Sicher ist, der deutsche Expressionismus, er ist rau, unerbittlich und wird womöglich wegen seiners Wahrheit sgehalts viel zu wenig gewürdigt.

Diesmal, in Baden Baden ging es aber um den Impressionismus und vorwiegend um Max Liebermann. Er ist der große Könner, ein Virtuosen des Lichts, der Sonnensprenkel, der differenzierten Schatten und vor allem der Farben. Max Liebermann war ein ganz Großer, von enormem technischen Können. Was ein Sujet anbetrifft, hatte ich aber immer gewisse Zweifel, die ich immer noch habe. Er malte letztendlich nur das Schöne, kritische Gedanken, soziale Spannungen oder Ähnliches ließ er nicht einfließen. Vor vielen Jahren kaufte ich eine von Liebermann signierte Lithographie, die glaube, dass sie, trotz Signatur kaum hundert Mark gekostet hat. Diese Litho stellte allerdings ein totes Pferd dar, was sicherlich nicht in die Wohlfühlzone von Liebermannsammlern passte. Ansonsten bei Liebermann nur Schönheit, Gedanken, die mich mit Ambivalenz nach Baden-Baden trugen.

Denken hilft, denn andererseits, die französischen Impressionisten, eindeutig viel früher dran als Liebermann, sie malten auch nur das Schöne. Man denke an August Renoir, die Mohnblumen und eine junge Schönheit im hohen Gras, oder an den impressionistischen Dauerlutscher, die Seerosen von Claude Monet. Alles schöner Farbenrausch, den ich wirklich liebe. Aber warum bin ich mit Liebermann streng. In der Austellung hingen auch einige kleinere Formate von Lesser Ury, die kaum jemand beachtete. Dieser Künstler und von mir verehrte Maler transportiert zahlreich Schwermut, Dunkelheit, Sauwetter und alles was zum Deutschen Leiden dazugehört. Liebermann ist das Gegenteil und ich zwickte mich in die Backe. Beides ist Wichtig, der Liebhaber der Malerei braucht Kontraste, oder anders, wo Licht, da auch Schatten.

Es war ein trüber Nebelsonntag zu einem  der schönsten Museen-Galerie die ich kenne, das Burdamuseum im Baden-Bader Park. Von dem Amerikaner Richard Meyer 2004 fertiggestellt verschwendet das Ensemble viel Platz für Geländerschrägen, um von einem Stockwerk zum anderen zu gelangen. Gerade dies macht aber das Frieder-Burda-Museum selbst zu Kunstwerk. Ich würde es gerne mal besuchen auch wenn es leer wäre.

Heute malte ich aus der Erinnerung ein Paar, das mich etwas neidisch machte. Ich als Solist, und die beiden untergehakt.

Holzschnitte im neuen Shop

Holzschnitte im neuen Shop

In der Zeit des Lockdown hatte ich Zeit über vierhundert Holzschnitte an Kunstliebhaber zu verkaufen. Nun, da Eva in der Wielandshöhe alles leistet, wozu ich keine Lust habe, verbringe ich meine Zeit in der Küche und in meiner Druckwerkstatt.

Den ersten handcolorierten Holzschnitt habe ich fertig. Ich drucke alle auf DIN A4, handgeschöpftem 350g Bütten in sehr kleine Auflage von 30 nummerierten und signierten Exemplaren zu jeweils 200,00 Euro. Auf Wunsch auch mit persönlichem Gruß.

Es werden nach und nach immer mehr Holzschnitte durch die Presse gehen und diese grundsätzlich von mir noch handcoloriert. So ist jedes Stück ein Unikat.

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Die Betriebskatze “Mädi” ist auch am Start.

Kampf um den klaren Blick

Kampf um den klaren Blick

 

 

Der Blick auf die Welt will geschärft sein. Meiner ist es immer noch nicht, obwohl ich mich seit Jahrzehnten bemühe. Was ist die reine Wirklichkeit? Ich weiß es nicht, denn mein verdammter Kopf, auch das Unterbewusstsein, richtet womöglich alles so zurecht, dass es in die Gewohnheiten passt. Das Gehirn ist womöglich ein von Routine dominiertes Vehikel, eine Art innerer Algorithmus, der immer das in die Gehirnschublädchen schiebt, was zu meiner Gewohnheit passt. Da ist leider niemand, der das neutral bewertet.

Kürzlich habe ich eine Reise in den Norden gemacht und festgestellt, dass die Gegend sehr schön ist. Die  niederen Horizonte mit der versinkenden Sonne in voller Breite waren mir beglückend. Ich kann das genießen, aber im Hinterkopf läuft ständig das Hamsterrädchen meines Berufstandes. Nicht nur für mich, sondern allgemeiner Ansicht nach ist das Essen, die Ernährung vom Acker bis zum Kochtopf eine essenzielle Kulturangelegenheit. Der ganze Norden ist nicht gerade das Füllhorn der kulinarischen Freuden. Trotzdem, das schönste an der Wüste sind die Oasen (Worpswede, “Zum Hemberg”)!

Und dann dreht sich mein Wesen keineswegs nur um Mampferei. Größte Freude ist mir im Licht der Natur zu gehen, zu sitzen und zu schauen. Ich setzte mich auf eine Stein, nur das und sonst gar nichts. Einfach sitzen und träumen. Es herrscht Ruhe. Trotzig gab die Natur wegen Windstille nicht das geringste Geräusch von sich. Die Ohren hatten nichts zu tun. Die Augen aber um so mehr. Einfach sitzen und gucken. Die indigofarbenen Bäume und Hecken am Horizont, eine gerade Linie quer durch meine Augen. Im Mittelgrund  kommt das Grün näher. Bis es anlangt bei dem Kerl der auf dem Stein sitzt wechselt es ins Neapelgelb. Ich musste mich auf dem Stein langweilen, bis ich diese Schönheit entdeckte.

Französische Maler zogen wegen des Lichts nach Barbizon und südlich in die Provençe. Mir hat das nördliche Licht sehr gut gefallen. Der tiefe Horizont entlässt Sonnenstrahlen ungehindert in einen weiten Winkel. Hinzu kommt tiefe Perspektive mit viel Blau das in den Himmel übergeht. Alle Deutschen Landschaften haben große Reize, man muss sie nur sehen können.

Das Buchheimmuseum in Bernried

Das Buchheimmuseum in Bernried

Die Fahrt an den Starnberger See zum Buchheimmuseum führt mich in meine Lieblingsgegend zum Gründer dieser Institution. Lothar Günther Buchheim war eine umfassend künstlerische Begabung. In Dresden, Frankfurt und München hatte er Malerei, Grafik und Kunstgeschichte studiert. Richtig berühmt wurde er jedoch als Schriftsteller durch sein Buch mit dem enormen Kinoerfolg “Das Boot”. Er hat ein Faible für den deutschen Expressionismus, den ich, ganz nebenbei gesagt, für den bedeutendsten Beitrag der modernen Kunst in Deutschland erachtem und der dem französischen Expressionismus nicht nachsteht. Das Museum liegt wunderschön am Seeufer von Bernried inmitten eines riesigen Parks, den ich mir zwangsweise erwanderte, da der Parkplatz mindestens 1 km vom Museum entfernt liegt. Kübelnde Wassermassen rissen mir fast den Schirm aus der Hand. Zwischen Stuttgart und Starnberg wurde ich auf den U-Boot-Mann Buchheim bereits gut eingestimmt. Im Starkregen kam ich mir vor wie in einem U-Boot sitzend.

Für mich ist die Gegend des Starnbergersees und dem nahegelegenen Staffelsee mit Murnau ein fast magischer Ort meiner künstlerischen Interessen. Nicht weit weg befindet sich das Franz-Marc-Museum am Kochelsee. Östlich davon kräußeln sich die Wasser des Tegernsees, bekannt für seine Gastronomie, aber mir mehr am Herzen, das Olaf Gulbransson-Museum. Kurzum die ganze Gegend ist mein Malerwinkel.